Wissenschaft Frankreich #178 – 3/03/2010
Wissenschaft-Frankreich Nr. 178 [PDF]
- FORSCHUNGSPOLITIK
-KMU: Anstieg der Patentanmeldungen, jedoch keine Ausweitung der Steuerguthaben für Forschungsvorhaben
-Sanofi-Aventis und die AVIESAN unterzeichnen ein weiteres Abkommen - AUTOMOBIL
-Renault bekommt vom Staat ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro für Elektroautos - MEDIZIN
-Der Reaktor Osiris wird zur Überbrückung eines Mangels an medizinischen Radioisotopen eingesetzt - BIOLOGIE
-Weibliche afrikanische Zwergmäuse haben das Y-Chromosom - ENERGIE
-Die Photosynthese als neue Elektrizitätsquelle - TELKOMMUNIKATION
-Orange: neue HD Voice-Dienstleistung
-Proxima Mobile: Ein kostenloses Dienstleistungsportal für Mobiltelefone
FORSCHUNGSPOLITIK
KMU: Anstieg der Patentanmeldungen, jedoch keine Ausweitung der Steuerguthaben für Forschungsvorhaben
Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage in
Frankreich lagen die KMU im vergangenen Jahr
bezüglich des gewerblichen Eigentums noch vor den
großen Konzernen. Mit einem Anstieg der
Patentanmeldungen um 6,8% bei den KMU konnte der
globale Rückgang von -3,6% aufgehalten werden
(gegenüber +1,6% im Jahr 2008). 2009 wurden insgesamt
16.106 Patente eingereicht. Der Direktor des
französischen Patentamts INPI (Institut national de
la propriété industrielle), Benoît Battistelli,
begrüßte diese positiven Erfolge, die das Ergebnis
einer vor fünf Jahren eingerichteten kostenlosen
Dienstleistung für eine vorausschauende Analyse des
gewerblichen Eigentums sind. Seinen Angaben zufolge
"haben insgesamt rund 4.000 KMU diese Dienstleistung
in Anspruch genommen, davon 1.062 allein 2009. Wir
werden auch 2010 in diesem Sinne fortfahren".
Die Möglichkeit der kostengünstigeren
Online-Patentanmeldungen, die bereits 60% ausmachen,
hat ebenfalls zu diesem Erfolg beigetragen.
Der größte Rückgang war bei den Automobilherstellern
zu verzeichnen. Einige Unternehmen haben ihre
Patentanmeldungen um 50% reduziert (vorher rund 1.000
Patentanmeldungen pro Jahr).
Eine weitere Überraschung war der hohe Anteil an
Anträgen für Markenzeichen (+9,7%) im Vergleich zum
Rückgang von -0,6% im Jahr 2008. Herr Battistelli
erklärte diesen Anstieg mit dem Erfolg der
Ich-AG's.
Am 17. Februar 2010 stimmten die Senatoren für eine Ausweitung der Steuerguthaben (CIR) für KMU durch die OSEO (Förderagentur für Innovation). Dieser Änderungsantrag wurde während des gemischten paritätischen Ausschusses abgelehnt. Der Finanzminister Eric Woerth sagte dazu: "Jetzt wird uns noch ein Steuerguthaben zusätzlich zu dem bereits existierenden zinslosen Kredit vorgeschlagen. Also irgendwann muss auch mal Schluss sein". Trotz des Erfolgs der Regierung bei der Ablehnung dieses Änderungsantrags, äußerten sich die Senatoren kritisch zum CIR: er sei wesentlich profitabler für große Unternehmen. Der UMP-Abgeordnete Gilles Carrez betonte bereits im Juni 2009, dass Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern zwar 23,2% für Forschungsausgaben aufwenden, jedoch als Gegenleistung nur 20,8% des CIR erhielten. Viele Abgeordnete fürchten schwere Missbräuche durch die großen Konzerne. Jean Arthuis, Vorsitzender des Finanzausschusses, sprach sich für eine Kontrolle der Nutzung der bewilligten Gelder aus. Aus diesen Gründen wurde ein Prüfungs- und Kontrollgremium eingesetzt [1].
[1]: "Steuerguthaben für Forschungsvorhaben werden für Frankreich immer teurer" - Wissenschaft Frankreich 177 - 19.02.2010
Quellen:
-
"Hausse de 6,8% des dépôts de brevets des PMEs en
France en 2009", Les Echos - 18.02.2010
-
"Le Parlement veut recentrer le crédit d'impôt
recherche", Les Echos - 19.02.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
FORSCHUNGSPOLITIK
Sanofi-Aventis und die AVIESAN unterzeichnen ein weiteres Abkommen
Am 17. Februar 2010 wurde ein Partnerschaftsabkommen zwischen Sanofi-Aventis und der Französischen Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheitswesen AVIESAN [1] unterzeichnet. Es ist das erste Mal, dass ein solches Abkommen mit allen Akteuren der akademischen Forschung in Frankreich im Bereich Gesundheit geschlossen wurde. Ziel dieser Partnerschaft ist es, gemeinsam den Erkenntnisstand im Bereich der Lebenswissenschaften und Gesundheit auszubauen, zur Exzellenz und Stärkung der französischen Forschung beizutragen und ehrgeizige Projekte zu den Schwerpunktthemen des Alterns, der immun-entzündlichen Krankheiten, der Infektionskrankheiten sowie der regenerativen Medizin durchzuführen. Um die Kreativität zu fördern, werden die Bildung gemeinsamer Forschungsteams, die Schaffung gemeinsamer Laboratorien und technologischer Plattformen sowie die Gründung gemeinsamer Forschungszentren in Betracht gezogen.
AVIESAN wurde am 8. April 2009 im Rahmen der
französischen Forschungs- und Innovationsstrategie
(SNRI) gegründet [2]. Sie soll eine verstärkte
Synergie zwischen den verschiedenen Akteuren in
Frankreich ermöglichen und dazu beitragen, die
Verwertung von Ergebnissen der Grundlagenforschung zu
verbessern, und ein kohärentes und umfassenderes Bild
von der französischen Forschung auf internationaler
Ebene zu liefern.
Die Allianz ist in 10 einrichtungsübergreifende
thematische Institute (ITMO) unterteilt, die die
Forschung koordinieren. Die zehn ITMO sind:
* molekulare und strukturelle Basis für die
Lebenswissenschaften * Zellbiologie, Entwicklung und
Evolution * Genetik, Genomik und Bioinformatik *
Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaften,
Neurologie und Psychiatrie * Krebsforschung *
Kreislauf, Stoffwechsel, Ernährung * Immunologie,
Hämatologie, Pulmologie * Volksgesundheit *
Gesundheitstechnologien
Sanofi-Aventis hat ebenfalls ein Förderabkommen zugunsten des ATIP Avenir Programms [3] unterzeichnet. Das Programm ATIP AVENIR ist eine gemeinsame Ausschreibung des INSERM und des CNRS, die Nachwuchsforscher jeder Staatsangehörigkeit, die vor weniger als zehn Jahren promoviert haben, bei der Gründung eines Forscherteams in Strukturen des INSERM oder des CNRS unterstützt. Somit werden einerseits Nachwuchsforscher gefördert, die ihr Laboratorium in Frankreich aufbauen wollen, und andererseits der Wille zur Kooperation zwischen staatlicher Forschung und pharmazeutischer Industrie unterstrichen.
Beide Abkommen verfolgen das vom Strategischen Rat der Gesundheitsindustrien (CSIS) [4] festgelegte Ziel, die öffentlich-privaten Partnerschaften zu stärken, um so die Innovation im Bereich Gesundheit zu fördern. Aus diesem Grund hat sich Sanofi-Aventis bereit erklärt, in den nächsten 5 Jahren bis zu 50 Millionen Euro in diese öffentlich-privaten Partnerschaften zu investieren.
[1] Zur AVIESAN gehören: das CEA (Behörde für Atomenergie und alternative Energien), das CNRS (Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), die CPU (Hochschulrektorenkonferenz), das INRA (Französisches Zentrum für Agrarforschung), das INRIA (Französisches Forschungsinstitut für Informatik und Automatik), das INSERM (Französisches Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung), das Pasteur-Institut, das IRD (Forschungsinstitut für Entwicklung) und die Direktorenkonferenz der Regional- und Universitätskliniken
[2] "Gründung der nationalen Allianz für Lebens- und Gesundheitswissenschaften" - Wissenschaft Frankreich 161 - 22.04.2009
[3] ATIP Avenir Webseite (auf Französisch und Englisch)
[4] "Die Einrichtung eines Pensionsfonds für die Biotechnologien durch den Strategischen Rat der Gesundheitsindustrien" - Wissenschaft Frankreich 172 - 03.11.2009
Quellen:
-
"Sanofi-aventis renforce son engagement dans la
Recherche en France par un partenariat avec
AVIESAN", Gemeinsame Pressemitteilung von
Sanofi-Aventis und AVIESAN - 17.02.2010 -
- "Accord de partenariat entre Sanofi et l'Alliance
pour les sciences de la vie", Pressemappe der AFP
Redakteur:
- Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
- Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Automobil
Renault bekommt vom Staat ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro für Elektroautos
Der französische Industrieminister Christian Estrosi unterzeichnete vergangene Woche während eines Besuchs des Werkes in Flins (Großraum Paris) ein Abkommen mit Renault über ein Darlehen vom französischen Staat in Höhe von 100 Millionen Euro. Es solle ausdrücklich dazu dienen, die Fertigungsstrecke für das neue Elektrofahrzeug Zoe fertig zu stellen.
Zoe ist das erste Elektroauto von Renault. Es soll ungefähr die Maße eines Clio haben, und über eine Reichweite von ca. 160 km verfügen. Die Produktion wird voraussichtlich 2012 beginnen und in Flins angesiedelt sein, wo auch Batterien serienmäßig hergestellt werden.
Minister Estrosi erinnerte erneut daran, dass dieses Darlehen an bestimmte Bedingungen geknüpft sei. Die größte Forderung bestehe darin, dass französische Zulieferer stärker in die Produktion eingebunden werden. Aktuell stammen nur 40% der Fahrzeugbauteile aus Frankreich; dieser Anteil soll nach 2 Jahren Produktion auf 70% steigen.
"Bei gleicher Qualität erscheint es mir nur logisch, dass ein in Frankreich produzierender Zulieferer bevorzugt wird", erklärte er weiterhin. In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Staatshilfe hin, von der die Automobilhersteller während der Finanzkrise profitiert haben. "Wir müssen eine bestimmte Anzahl an Kriterien durchsetzen. Wir können nicht einfach als Bankschalter fungieren, an den man sich wendet, wenn man in Not ist, und man danach einfach macht, was man will", fuhr er fort.
"Es stellt sich die Frage, warum Faurecia, Valeo oder Plastic Omnium kein Vorzug eingeräumt wird?" Dies sei, so Estrosi, "keine Frage des Geldes", sondern "ein Problem des Dialogs und der mangelhaften Organisation innerhalb der Branche". Das Ziel für die kommenden Jahre sei die Schaffung einer offeneren Automobilwirtschaft, in der Auftraggeber und -nehmer verstärkt zusammenarbeiten, so wie es beispielsweise in Deutschland der Fall ist, um endlich mit dieser "unerträglichen Unterwürfigkeit der Zulieferer gegenüber dem Hersteller" aufzuräumen.
Quellen:
-
"Voiture électrique : Estrosi va signer un prêt de
100 millions d'euros à Renault" , Artikel aus Le
Point - 17.02.2010
-
"Le ministre de l'Industrie, Christian Estrosi, a
confirmé hier le principe d'un prêt bonifié de 100
millions d'euros à Renault", Artikel aus Le Point
- 18.02.2010
Redakteur: Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr
Medizin
Der Reaktor Osiris wird zur Überbrückung eines Mangels an medizinischen Radioisotopen eingesetzt
In der medizinischen Diagnostik, zum Beispiel bei Szintigraphien, werden Radioisotope verwendet, die weltweit nur in drei Hauptreaktoren hergestellt werden. Da zwei von ihnen in den nächsten Monaten außer Betrieb sind, wird die Produktion des Dritten, des Forschungsreaktors Osiris [1] angepasst. Dieser Forschungsreaktor vom CEA [2] in Saclay (südlich von Paris) dient hauptsächlich der Erforschung von Materialien und Brennstoffen für aktuelle und zukünftige Kernkraftwerke.
Seit dem 18. Februar 2010 ist der Reaktor in Petten (Niederlande) für 6 Monate außer Betrieb. Hinzu kommt, dass der Reaktor NRU (Kanada) wegen Reparaturmaßnahmen seit Mai letzten Jahres abgeschaltet ist. Beide Reaktoren haben zusammen fast 70% der bei Szintigraphien angewandten Radioisotope hergestellt. Der Reaktor Osiris deckt bislang nur 5% der weltweiten Nachfrage nach Technetium 99m [3] ab. Der Fachzeitschrift Nature zufolge werden weltweit 70.000 Szintigraphien pro Tag durchgeführt. Alle anderen Reaktoren sind bereits seit mehreren Jahrzehnten in Betrieb und somit überaltert, abgesehen von einem neuen "kleineren" Reaktor in Australien. In Frankreich wird derzeit der Nachfolger von Osiris, der Reaktor Jules-Horowitz, mit einem Budget von 300 Millionen Euro in Cadarache (Süd-Frankreich) gebaut.
Da ein Mangel an Radioisotopen für Szintigraphien ab März in den europäischen Krankenhäusern absehbar ist, wurde das CEA von der Vereinigung der europäischen Hersteller nuklearmedizinischer Produkte (AIPES) um Unterstützung gebeten. In Abstimmung mit seinen Aufsichtsbehörden und seinen europäischen Partnern, insbesondere dem SCKoCEN (Belgien) [4], hat das CEA einen neuen Produktionsplan für den Reaktor Osiris für 2010 erstellt. So soll Osiris etwa 10% der weltweiten Nachfrage abdecken, und so die Zeit eines starken Mangels an Radioisotopen in Europa auf 3 bis 4 Wochen verkürzen.
[1] "Der Reaktor Osiris zur Herstellung
medizinischer Isotope ist wieder in Betrieb" -
16.10.2009 -
http://www.wissenschaft-frankreich.de/publikationen/wissenschaft_frankreich/nummer/files/172.htm#7
[2] CEA: Behörde für Atomenergie und alternative
Energien
[3] Technetium 99m ist das in der medizinischen
Diagnostik am häufigsten eingesetzte Isotop
[4] http://www.sckcen.be/en/sckcen_en
Quellen:
- Pressemitteilung des CEA - 16.02.2010 -
Online Artikel
- "Cancers : pénurie de tests diagnostics" - Le
Figaro - 16.02.2010 -
Online Artikel
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Biologie
Weibliche afrikanische Zwergmäuse haben das Y-Chromosom
Nicht immer bestimmt das Y-Chromosom das männliche Geschlecht. Das zeigen Forschungsarbeiten des Instituts für Evolutionswissenschaften des CNRS [1] in Montpellier. Die Ergebnisse, die am 24. Februar 2010 in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B Online [2] veröffentlicht wurden, sollen zu einem besseren Verständnis der Geschlechtsbestimmung bei Säugetieren beitragen.
Bei den meisten Säugetieren bestimmt das Chromosomenpaar XX das weibliche Geschlecht und das Chromosompaar XY das Männliche. Jedoch kann es, auch beim Menschen, Chromosomenanomalien geben, die in den meisten Fällen zur Unfruchtbarkeit führen.
Die Forscher um Frédéric Veyrunes beobachteten bei den afrikanischen Zwergmäusen Mus minutoides einen sehr hohen Anteil (zwischen 74% und 100%) fruchtbarer Weibchen, die die Chromosome XY tragen. Diese Beobachtung lässt sich wie folgt erklären: diese weiblichen XY-Zwergmäuse haben auf dem X-Chromosom eine Mutation, die eine Umkehrung des Geschlechtes verursacht. Bislang konnten nur sieben Fälle dieser atypischen Geschlechtsbestimmung bei Nagetieren beobachtet werden. Diese letzten Ergebnisse zeigen, dass diese abweichenden Systeme öfter und besser analysiert werden sollten.
[1] CNRS: Nationales Zentrum für wissenschaftliche
Forschung
[2] "A novel sex determination system in a close
relative of the house mouse", Veyrunes, Chevret,
Catalan, Castiglia, Watson, Dobigny, Robinson &
Britton-Davidian - Proceedings of the Royal Society B
- online am 24.02.2010 -
Online Artikel
Kontakt: Frédéric Veyrunes - Institut für Evolutionswissenschaften des CNRS, Montpellier - Tel: +33 4 67 14 46 33 - Email: frederic.veyrunes@univ-montp2.fr
Quellen:
- "Le chromosome Y de la souris naine d'Afrique" - Le
Monde - 24.02.2010 -
Online Artikel
- "Des souris naines africaines dont les femelles
sont XY" - Pressemitteilung des CNRS - 24.02.2010 -
http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1802.htm
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Energie
Die Photosynthese als neue Elektrizitätsquelle
Den Forschern des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) ist es gelungen, die chemische Energie der Photosynthese in elektrische Energie umzuwandeln. Diese neue Strategie könnte es ermöglichen, aus der Solarenergie umweltfreundlich Elektrizität zu gewinnen. Diese Biobatterie könnte auch medizinische Anwendungen finden. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Analytical Chemistry [1] veröffentlicht.
Bei der Photosynthese werden CO2 und H2O bei Lichteinstrahlung durch chemische Reaktionen der Pflanzen in Glucose und O2 umgewandelt. Die Forscher des Forschungszentrums Paul Pascal des CNRS haben eine Biobatterie entwickelt, die auf der Basis der beiden Produkte der Photosynthese (Glucose und O2) funktioniert, und die aus zwei durch Enzyme modifizierten Elektroden besteht. Diese Batterie wird in eine lebende Pflanze (hier einem Kaktus) eingefügt.
Dank dieser auf O2 und Glucose empfindlich reagierenden Elektroden, ist es den Forschern gelungen, die Photosynthese in Echtzeit in vivo zu untersuchen. Sie konnten einen Anstieg des Stromflusses beim Einschalten einer Lampe und eine Verminderung beim Ausschalten beobachten. Sie haben auch zum ersten Mal die Veränderung der Glucose in Echtzeit beobachtet. Diese Methode eröffnet neue Wege zum besseren Verständnis der Mechanismen der Photosynthese.
Die Forscher konnten ebenfalls nachweisen, dass eine in einen Kaktus integrierte Biobatterie eine Leistung von 9 mW pro cm2 erzeugen kann. Da der Wirkungsgrad proportional zur Intensität des Lichts ist, beschleunigt ein verstärkter Lichteinfall die Produktion von Glucose und O2, wodurch mehr Brennstoff erzeugt wird, um die Biobatterie zu betreiben. In ferner Zukunft könnte dieses Verfahren eventuell eine neue Strategie darstellen, um Solarenergie umweltfreundlich in Elektrizität umzuwandeln.
Neben diesem Ergebnis bestand das eigentliche Ziel dieser Arbeiten in der Entwicklung einer Biobatterie für medizinische Anwendungen. Diese würde unter der Haut (in vivo) autonom funktionieren, indem sie die chemische Energie aus dem in den physiologischen Flüssigkeiten natürlich vorkommenden Glucose-Sauerstoff-Paar schöpft. Sie könnte somit implantierte medizinische Objekte, wie z.B. autonome Sensoren unter der Haut zur Messung des Glucosewertes bei Diabetes-Patienten, versorgen.
[1] Referenz: From Dynamic Measurements of Photosynthesis in a Living Plant to Sunlight Transformation into Electricity, Victoria Flexer, Nicolas Mano, Analytical Chemistry, 15. Februar 2010.
Kontakt: Nicolas Mano - Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung - Tel : +33 5 56 84 30 22 l - Email : mano@crpp-bordeaux.cnrs.fr - http://www.cnrs.fr
Quelle: "La photosynthèse une nouvelle source d'énergie électrique", Pressemitteilung des CNRS - http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1797.htm - 16.02.2010>
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
TELEKOMMUNIKATION
Orange: neue HD Voice-Dienstleistung
Der Mobilfunkanbieter Orange präsentiert seinen Kunden eine neue Dienstleistung: die High-Definition-Funktionalität für die digitale mobile Kommunikation im französischen Netz. Nach erfolgreichen Test-Phasen in England und Moldawien hat das Unternehmen erneut seinen Wunsch bekräftigt, eine verbesserte digitale Übertragung der Sprachqualität in Frankreich zuzusichern.
Dieser Dienst wird durch die Verwendung des "Adaptive Multi-Rate Wideband Codec" (AMR-WB [1]) ermöglicht. Dieser Codec ist leistungsfähiger, da er als erster Breitband-Codec für Frequenzen zwischen 50-7000 Hz standardisiert ist. Bisher konnten nur die Frequenzen zwischen 300 und 3400 Hz verarbeitet werden. Die an dieser Dienstleistung interessierten Kunden werden gebeten, in neues entsprechendes Mobiltelefon zu erwerben. Nach Angaben des Unternehmens bietet "diese Technik den Kunden die derzeit bestmögliche akustische Qualität. Der Klang ist frequenzreicher, natürlicher und vermittelt selbst Emotionen besser als ein herkömmliches Telefon. Die Hintergrundgeräusche werden ebenfalls abgeschwächt und die Kommunikation ist flüssiger. Die Gesprächspartner haben damit quasi den Eindruck, im selben Raum zu sein".
Im Laufe des Jahres 2010 wird Orange diese Technologie auch in Frankreich zur Verfügung stellen und anschließend auf Spanien und Polen ausweiten.
[1] Weitere Informationen über die "Adaptive Multi-Rate Wideband": (auf Englisch) http://en.wikipedia.org/wiki/Adaptive_Multi-Rate_Wideband
Quelle:
- "Orange: la voix HD sur téléphones mobiles arrive
en France", Artikel aus Technoscience - 17.02.2010
http://www.techno-science.net/?onglet=news&news=7520
- "Orange étend sa voix HD pour mobile en Europe",
Artikel von der Internetwebseite DSLvalley.com -
17.02.2010
http://www.dslvalley.com/orange+etend+sa+voix+hd+pour+mobile+en+europe-17-02-2010.html
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
TELEKOMMUNIKATION
Proxima Mobile: Ein kostenloses Dienstleistungsportal für Mobiltelefone
Das Projekt "Proxima Mobile" wurde im Rahmen der Unterstützung der digitalen Wirtschaft durch das Konjunkturprogramm der französischen Regierung gefördert. Im Juli 2008 hatte die Regierung einen Projektaufruf gestartet, dessen Ziel darin bestand, mobile Anwendungen von allgemeinem Interesse zu präsentieren. Die Ergebnisse wurden im September 2009 bekanntgegeben: Projekte für 68 kostenlose Anwendungen werden mit 10 Millionen Euro von der Regierung unterstützt. Die ausgewählten Projekte wurden von öffentlichen und privaten Unternehmen, Stiftungen, KMU sowie großen Akteuren eingereicht.
Die Idee für das "Proxima Mobile" Projekt besteht darin, auf einem Portal für Mobiltelefone nützliche und kostenlose Dienstleistungen für Personen anzubieten, die sonst nur selten auf derartige Angebote zurückgreifen, wie z.B. ältere Menschen, Behinderte und auch Personen, die unter der Armutsgrenze leben. Für die Nutzung der Dienstleistungen ist keine Anmeldung oder die Angabe persönlicher Informationen erforderlich. Das Portal ist europaweit einzigartig und soll den Alltag aller französischen Mitbürger erleichtern.
24 Anwendungen stehen bereits seit Mitte Februar auf dem Webportal http://www.proximamobile.fr [1] zum Herunterladen zur Verfügung. Sie sind in 12 Kategorien unterteilt: Gesundheit, Beschäftigung, personenbezogene Dienstleistung, Tourismus, Behinderung, Rechtssprechung, Verbraucherinformationen, Kultur, Ausbildung, Senioren, nachhaltige Entwicklung und lokales Leben.
- Flashcode: ermöglicht die Einschätzung der Wartezeit im Verkehr und die Weiterleitung von Informationen durch die Scannung eines bestimmten Piktogramms.
- Compagnon: gibt Auskunft über den Fahrplan oder Anschlusszüge der SNCF und über den aktuellen Standort.
- Signe de Sens: dahinter verbirgt sich ein französisches Wörterbuch für die Gebärdensprache.
- Musée du Louvre: der Kunde kann mit dieser Anwendung das Museum virtuell besichtigen und den entsprechenden Audioguide hören.
- CultureClic: liefert den Kunden mehr als 500 Abbildungen von berühmten Gemälden, Skulpturen und Photos aus bedeutenden Museen folgender Städte: Paris, Bordeaux, Lyon und Marseille. Es informiert auch über die jeweiligen Öffnungszeiten und aktuellen Programme.
- Alerte enlèvement:: überträgt Suchmeldungen und Beschreibungen entführter Kinder.
- Verschiedene geographische Ortungsdienstleistung: gibt Auskunft über Geschäfte, Hotels, Theater, usw. in einer bestimmten Stadt in unmittelbarer Umgebung des Nutzers.
- Jeux Vidéos Info parents: informiert den Kunden dank der Scannung eines bestimmten Strichcodes über das notwendige Mindestalter zur Nutzung eines Videospiels.
- Comuto: Eine mit der Webseite covoiturage.fr synchronisierte Anwendung für Mitfahrgelegenheiten.
Am 18. Februar 2010 wurde "Proxima Mobile" offiziell von der Staatssekretärin für die Entwicklung der digitalen Wirtschaft, Nathalie Kosciusko-Morizet, an der "Cité des Sciences et de l'Industrie" [2] gestartet. Die Anwendungen wurden in erster Linie für das iPhone entwickelt, stehen aber ebenso (oder in Kürze) für das Blackberry, Android, Symbian und Windows mobile zur Verfügung.
[1] http://www.proximamobile.fr ist die offizielle Webseite, auf der der Kunde alle Anwendungen kostenlos herunterladen kann. (auf Französisch) [2] Die "Cité des Sciences et de l'Industrie" befindet sich in Paris auf dem Gelände des "Parc de la Vilette". Dieses Gebäude beherbergt zahlreiche Aktivitäten der wissenschaftlichen Freizeit und Kultur. Die Cité versteht sich als Brücke zwischen der Wissenschaft und den aktuellen Debatten der Öffentlichkeit. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.universcience.fr/fr/nous-connaitre/contenu/c/1239022829223/cite-des-sciences/
Quelle:
- "Proxima Mobile : un portail de services gratuits
sur téléphone mobile", Artikel von der Webseite der
französischen Regierung - 19.02.2010
http://www.gouvernement.fr/gouvernement/proxima-mobile-un-portail-de-services-gratuits-sur-telephone-mobile
- "Proxima mobile liste les applications mobiles
d'intérêt général", Artikel aus Technoscience -
24.02.2010
http://www.techno-science.net/?onglet=news&news=7545
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
KONTAKT
Französische Botschaft in Deutschland
Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Pariser Platz 5
D-10117 BERLIN
Tel: +49 30 590 03 92 50
Fax: +49 30 590 03 92 65
E-Mail: sciencetech@botschaft-frankreich.de
http://ww.wissenschaft-frankreich.de
Französische Botschaft in Österreich
Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Währinger Strasse 30
A-1090 Wien
Tel: +43 15 027 5324
E-Mail: julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989
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